ab und zu.... Gedanken, Notizen
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Geben und Nehmen
vom 03.11.2010
Ich hatte mich gefreut, weil ich etwas verschenkt hatte, das unerwartet eine hundert prozentige Punktlandung war. In unserer Mittagspause haben Beate und ich darüber gesprochen. Und Beate hatte einen Tag vorher ein Zitat gelesen, das dazu passt und auch sooo treffend ist - es ist von Marie von Ebner-Eschenbach:
Überlege einmal, bevor du gibst; überlege zweimal, bevor du annimmst; überlege tausendmal, bevor du verlangst oder forderst.
Was mich - neben der Punktlandung - besonders gefreut und angerührt hat war, WIE die Beschenkte annehmen kann! Das ist etwas, was man, glaube ich, auch lernen muss und lernen kann! Vielleicht ist es mir deshalb besonders aufgefallen, weil ich selbst schon so meine Probleme mit dem Annehmen habe. Nicht mehr so sehr wie früher, aber immer wieder muss ich mir doch einen Schubs geben, oder immer wieder ist es eine "bewußte Entscheidung", mit Nachdenken verbunden. Mir fehlt (an mir) dieses spontane "aus-dem-Bauch-heraus-annehmen", wie ich es bei dieser Frau erlebt hatte.
Und ich wäre nicht ich, würde ich mich nicht fragen, woher denn das kommt. Sicher gehört dazu, denn das fällt mir als erstes ein, dieses "sag auch danke" aus meiner Kindheit. Dieses zwanghafte Einstudieren, dieses pflichtgemäße sich-freuen-müssen über ein Geschenk (und über neue Socken freut sich eine Fünfjährige wohl kaum....). Das hat wohl die zuerst unbewußten Gedanken hervorgerufen: darf ich das annehmen? Verpflichtet mich das? Darf ich mich freuen? Nehm ich demjenigen jetzt etwas weg?
Wie steht es mit "ein Kompliment annehmen"?
Nehmen ist vielleicht deshalb etwas schwieriger für manche Menschen, weil wir uns damit in der passiven Rolle befinden, und DAS ist doch in unserer Gesellschaft nicht gerade positiv bewertet.
Geben ist aktiv, und somit können wir ein Gefühl der Stärke haben, wenn wir geben.
Geben und Nehmen sind eng miteinander verbunden. Probleme in beiden Bereichen bedingen sich gegenseitig.
Wer nicht zu geben gelernt hat, hat umgekehrt meist auch Schwierigkeiten, beim Annehmen eines Geschenks ganz unbefangen seinen Dank auszudrücken.
Gibt jemand zu viel, dann besteht immer die Gefahr, daß er sich verausgabt - man kann sich ausgenutzt fühlen, irgendwann vielleicht ausgebrannt, überfordert. Aber kann man überhaupt ZU VIEL geben? Ich kann es mir schon vorstellen; dann, wenn die ganze Sache sehr einseitig ist...
Der Gegensatz dazu ist das, was wir oberflächlich "Nehmer-Qualitäten" nennen, die bei vielen Menschen sehr ausgeprägt zu sein scheinen. "Nehmen, was man kriegen kann" erfolgt nicht aus einem Gefühl der Freude oder Dankbarkeit, sondern eher aus Bedürfnis oder aus einem Reflex. - Dazu gehört auch das "Geiz ist geil"-Phänomen (ich kann es nicht ab!). Und dazu fällt mir noch etwas ein: jedes Wort hat Macht oder eine gewisse Kraft. Egal, ob das Wort nun "Liebe", "Dank" oder "Geiz, "Terror", "Wahnsinn" heißt. Worte machen etwas mit uns. Und wenn in jeder zweiten Fernsehsendung von "Terror" gesprochen wird oder wenn uns in jeder Werbepause dieser Satz in die Ohren geplärrt wird..... davon kann die Welt kein bisschen besser werden.
Eine Lösung habe ich natürlich auch nicht. Aber gesund und schön wäre es eben, wenn sich in beiden Dingen eine gewisse Balance halten würde. Ich denke, es würde uns allen besser gehen damit.