Juli 2010
02.07.2010
WEISHEIT - was ist das?
Aus gegebenem Anlaß will ich mich heute mit „Weisheit“ beschäftigen. Was ist WEISHEIT überhaupt, was verstehe ich denn darunter? Warum wehre ich mich innerlich, wenn ich als weise bezeichnet werde?
Weise Menschen waren für mich immer alte Menschen (ja, das wird der Grund des Wehrens sein…! Eitelkeit!!) aber nicht jeder alte Mensch ist zwangsläufig auch weise.
Weise Menschen kamen für mich immer entweder in Verbindung mit Märchen (die weise alte Frau) oder in Verbindung mit alten Kulturen vor. Indianerhäuptlinge, - die Guten natürlich, - bei der Bezeichnung „weise“ fällt mir sofort an alter Häuptling ein.
Ich selbst kenne sehr wenige Menschen, die ich als weise bezeichnen würde. Eine davon, eine zwischenzeitlich über achtzigjährige Frau, war meine Ausbilderin, als ich mit 14 in die Lehre kam. Diese Frau hatte damals genau die richtige Mischung zwischen Liebe und Strenge, zwischen Lehrerin und Mutter, zwischen Distanz und Nähe. Ich besuche sie heute noch, nicht oft zwar, aber ich fühle mich „richtig“ bei ihr. Sie redet nicht, sie lebt ihr Leben – und es ist wahrhaftig kein leichtes Leben. Sie ist durch und durch echt. Und mit ihr würde ich auch Dinge besprechen, die ich nicht unbedingt mit meinem Partner besprechen würde… Sie sagt ernsthaft, trotzdem voller Liebe, was sie denkt, und sie beschönigt nichts.
Und weil ich mich mit „Weisheit“ beschäftige, habe ich u.a. einen Artikel bei CONNECTION gefunden. Wolf Schneider, der Herausgeber, bringt Vieles auf den Punkt und ich schätze ihn unbekannterweise sehr für seine Gedanken. Dieses Thema ist immer mal wieder Schwerpunktthema in seinem Heft. Der Grund dafür sei, so sagt er „…dass ich Weisheit nicht nur im Handeln der Menschen so oft vermisse, sondern auch, dass sie in unserer Kultur nicht thematisiert wird“. Und genau das ist eben auch ein Punkt. In unserer „Kultur“ gibt es die Wirtschaftsweisen – zum Beispiel. Was ist denn daran weise?? Ich konnte schon vor 20 Jahren nichts mit ihnen oder ihren Ergebnissen anfangen.
„Experten haben Fachwissen. Sie haben aber oft keine Weisheit, und sie wissen oft nicht, worauf es wirklich ankommt!“
Warum wurde Weisheit früher mehr geachtet als heute? Weil wir heute zu verwissenschaftlicht sind? Weil wir Wissen „googeln“ können, aber Weisheit nicht aus dem Computer zu holen ist?
Was überhaupt ist Weisheit? Da lasse ich doch wieder Wolf Schneider vor: „Weisheit ist gereifte Erfahrung, verdautes Wissen, verstandenes Gelebtes…“
Die „Alten“ früher waren Kulturträger, die der Jugend an Lebenserfahrung und vor allem an praktischem Wissen voraus waren. Vielleicht war es im Idealfall ein ausgeglichenes – ausgeglicheneres – Geben und Nehmen?
Weisheit ist heute völlig in die Esotherik-Ecke gestellt, im Alltag ist sie nicht mehr gefragt. In
der Antike war Weisheit so etwas wie höchstes Gut.
Weisheit wird traditionell als etwas Weibliches verstanden. Sophia bei den Griechen und Prajna im Buddhismus werden durch weibliche Figuren symbolisiert. Erleuchtung versteht man eher als etwas Männliches.
Aber um Erleuchtung geht es hier ja auch gar nicht!
Und ich glaube, während des Schreibens habe ich mich ein bisschen mit dem Thema versöhnt….
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